von Serguey Shinder
Am Anfang behandelte ich das Modell wie einen Kollegen, der mich kannte. Ich erklärte etwas einmal, und im nächsten Gespräch setzte ich voraus, dass es noch da war. Dann wunderte ich mich, warum die Antworten daneben lagen, als hätte ich nie etwas gesagt. Es dauerte, bis ich die einfache, harte Wahrheit akzeptierte: das Modell erinnert sich an nichts.
Jedes Gespräch beginnt bei null. Was ich gestern mühsam aufgebaut hatte, den Stack, die Grenzen, die eine Regel, die nicht gebrochen werden durfte, war heute verschwunden. Das Modell liest nur, was gerade vor ihm liegt, nicht, was ich in meinem Kopf trage oder in einer früheren Sitzung gesagt habe. Erst als ich aufhörte, das als Fehler zu sehen, wurde es nützlich.
Denn diese Vergesslichkeit ist keine Macke, die man umgehen muss. Sie ist die Regel des Spiels. Ein Praktikant, der brillant, schnell und willig ist, aber jeden Morgen mit leerem Gedächtnis erscheint, ist immer noch brillant. Er ist nur so gut wie die Notiz, die man ihm gerade in die Hand gedrückt hat. Die Last des Erinnerns liegt bei mir, und sobald ich das annahm, verbesserte sich meine Arbeit mit dem Modell sprunghaft.
Heute gehe ich davon aus, dass es nichts weiß, was ich nicht gerade gesagt habe. Ich nenne den Stack, die Version, das, was ich schon versucht habe, die Regel, die nicht verhandelbar ist. Jedes Mal aufs Neue, ohne Groll, dass ich es wiederhole.
Und ironischerweise machte mich das zum besseren Denker. Um dem vergesslichen Genie eine gute Notiz zu schreiben, muss ich selbst klar wissen, was ich will. Der leere Kontext ist kein Ärgernis. Er ist eine Aufforderung, die Aufgabe endlich sauber zu formulieren.
– Serguey Asael Shinder
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