von Serguey Shinder
Lange sagte ich zu allem ja. Zur schnellen Bitte, dem interessanten Nebenprojekt, der würdigen Aufgabe, die ein guter Mensch wirklich brauchte. Ja fühlte sich großzügig an, und ich mochte es, der zu sein, auf den man zählen konnte.
Und ich verstand nicht, warum das eine, das ich am meisten bauen wollte, nie vorankam. Die Antwort war unbequem. Jedes Ja war ein verstecktes Nein zu etwas anderem, meist zu der tiefen Arbeit, die ich eigentlich vorhatte. Ich merkte das Nein nur nicht, weil es leise war. Deshalb fühlte sich ein Tag voller Ja produktiv an und brachte am Ende nichts.
Als ich anfing, öfter nein zu sagen, fühlte es sich erst falsch an, fast egoistisch. Dann verstand ich, dass ein gutes Nein kein Egoismus ist, sondern Schutz. Es schützt das eine Ja, das wirklich zählt. Wenn alles wichtig ist, ist nichts geordnet, und eine ungeordnete Liste ist kein Plan, sondern ein Wunsch, nach Dringlichkeit sortiert.
Die Menschen, die viel schaffen, nehmen nicht alles an. Sie wählen wenige Dinge und bringen sie zu Ende. Das ist unbequem, weil jedes ehrliche Nein einen echten Preis hat, den man spürt.
Heute ist mein Nein mein wichtigstes Werkzeug. Nicht, um weniger zu tun. Um das Richtige tun zu können.
– Serguey Asael Shinder
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