von Serguey Shinder
Als ich anfing, einem Modell echte Arbeit anzuvertrauen, machte ich einen stillen Denkfehler. Ich behandelte seine Antworten wie Fakten. Sie kamen poliert und sicher heraus, also legte ich sie neben die Dinge, die ich wusste, statt neben die, die man mir erzählt hatte.
Ein paar selbstsichere, flüssige, völlig falsche Antworten heilten mich davon. Heute behandle ich jede Ausgabe als Hypothese, als Behauptung zum Prüfen, nicht als Fakt zum Einfügen. Es ist eine kleine Umdeutung mit großer Wirkung. Einen Fakt akzeptierst du. Eine Hypothese überprüfst du.
Das Wichtige, das ich verinnerlichen musste: der Ton des Modells trägt keine Information über seine Richtigkeit. Es klingt genauso sicher, wenn es recht hat, wie wenn es etwas erfindet. Die Selbstsicherheit der Antwort sagt mir also nichts, nur meine Überprüfung tut es. Führ es aus. Prüfe den Randfall. Verfolge die Behauptung zu einer Quelle zurück, der ich traue.
Ich mache das mit Menschen längst, ohne nachzudenken. Wenn ein kluger Kollege sagt „es ist wahrscheinlich das”, merge ich seine Vermutung nicht ungeprüft, ich nehme sie als starke Spur und prüfe. Genau so viel Vertrauen verdient das Modell: ein nützlicher, plausibler, unbewiesener Ausgangspunkt.
Also nehme ich die Hypothese dankbar an und mache dann die Arbeit, um es wirklich zu wissen. Vertrauen verdient man sich eine geprüfte Behauptung nach der anderen, nie im Ganzen, nur weil etwas sicher klang.
– Serguey Asael Shinder
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